Inhalte des Projekts

Projektlaufzeit

01.01.2015 – 30.06.2018

 

Problemstellung & Projektziele

Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in ländlichen Regionen wollen ihr nachhaltiges Handeln stärken. Parallel dazu stehen viele Regionen vor den Herausforderungen des demografischen Wandels. Dies verschärft den Fachkräftemangel, was sich insbesondere auf KMU und die Wettbewerbsfähigkeit der Region auswirkt. Zusammen betrachtet stellt sich die Frage, was ländliche Regionen als Lebensort und KMU als Arbeitgeber so attraktiv machen kann, dass Menschen dort leben und arbeiten wollen und welche Rolle soziales und ökologisches Engagement von KMU dabei spielt.

 

Methodik & Vorgehen

Die Forschungsfragen wurden vom interdisziplinären Projektteam in enger Kooperation mit Unternehmen im Kreis Steinfurt bearbeitet. Es wurden u.a. eine Befragung und Interviews im Unternehmernetzwerk energieland2050, eine Bevölkerungsbefragung von rund 1.000 Haushalten, Befragungen von Mitarbeiter*innen ausgewählter Unternehmen und potenziellen Fachkräften für diese Unternehmen sowie weitere Analysen in Vergleichsregionen und Experteninterviews durchgeführt. Zudem wurde der Arbeitskreis „Nachhaltig Wirtschaften“ mit acht Unternehmen im Kreis Steinfurt gegründet. In enger Zusammenarbeit wurden diese Unternehmen individuell analysiert und beraten. Zusätzlich fanden drei Workshops, u.a. zu Nachhaltigkeitskommunikation und einer möglichen Arbeitgebermarke, statt.

 

Projektergebnisse

Die Umsetzung sozialer und ökologischer Aktivitäten in KMU erfolgt oft wenig strukturiert und die Maßnahmen werden selten in der Kommunikation an die Stakeholder-Gruppen der Unternehmen genutzt. Gleichzeitig wird erwartet, dass Anforderungen bzgl. Nachhaltigkeitsberichterstattung und Lieferkettenmanagement vermehrt innerhalb von Wertschöpfungsketten auch an KMU weitergereicht werden. Knappe personelle und finanzielle Ressourcen und damit einhergehende Wissensdefizite hindern auch engagierte Unternehmen oft daran, ihr Unternehmenshandeln nachhaltiger auszurichten und solchen Ansprüchen gerecht zu werden. Niederschwellige und passgenaue Beratungs- und Unterstützungsangebote können dabei ebenso wie unternehmensübergreifende regionale Netzwerke das Nachhaltigkeitsengagement fördern. Hinsichtlich der Nachhaltigkeitskommunikation gibt es verschiedene Formate und -kanäle, die auf den jeweiligen Status und Schwerpunkt der Aktivitäten in den Unternehmen zugeschnitten werden können. Eine Verbindung mit regionalen Besonderheiten stellt dabei eine gute Möglichkeit dar, Stakeholder vor Ort zu erreichen – z.B. durch eine nachhaltige Regionalmarke, zugeschnitten auf die entsprechenden Zielgruppen, bspw. (potenzielle) Mitarbeiter*innen. Eine Bevölkerungsbefragung im Kreis Steinfurt zeigte bspw. eine große Verbundenheit zur Region und ein hohes Interesse an sozial-ökologischen Aktivitäten der regionalen Unternehmen, die Bürger*innen fühlten sich jedoch nicht gut informiert; hier zeigt sich das Potenzial für eine stärkere externe Kommunikation.

 

Soziales und ökologisches Engagement eines Arbeitgebers ist für (potenzielle) Mitarbeiter*innen im Vergleich zu klassischen Berufs- und Unternehmensmerkmalen in den empirischen Erhebungen im Projekt als weniger wichtig bewertet worden. Nachhaltigkeitsmaßnahmen können jedoch entscheidend sein, wenn potenzielle Arbeitgeber ähnlich eingeschätzt werden. Im Vergleich der einzelnen Maßnahmen bewerten (potenzielle) Mitarbeiter*innen soziale Aktivitäten – besonders herausgestellt werden flexible Arbeitsmodelle, Weiterbildungsmöglichkeiten und Maßnahmen gegen Diskriminierung - deutlich höher als ökologische. Bei diesen sind u.a. Fahrradstellplätze, Förderung der ÖPNV-Nutzung oder Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs wichtig. Bevorzugt werden demnach insgesamt Maßnahmen, die einen direkten persönlichen Nutzen erzeugen.

 

Praxisnutzen & Anwendungsmöglichkeiten

Die Unternehmen des Arbeitskreises „Nachhaltig Wirtschaften“ erhielten im Projektkontext Empfehlungen für die Ausweitung ihrer sozialen und ökologischen Aktivitäten und konnten diese in Teilen bereits umsetzen bzw. planen. Für den Kreis Steinfurt wurde ein umfassendes Konzept zur Stärkung von nachhaltigem Unternehmenshandeln erarbeitet. Ein regionales Online-Beteiligungsportal erlaubt es Stakeholdern vor Ort die Diskussion zum Thema „Nachhaltig Wirtschaften“ fortzuführen. Des Weiteren wurde der Wegweiser „Nachhaltiges Handeln in Unternehmen und Regionen“ erstellt. Dieser kann von Regionen und Unternehmen im ländlichen Raum als Hilfestellung beim Ausbau von Nachhaltigkeitsaktivitäten und deren Kommunikation genutzt werden.